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Wenn Streit, Mobbing & Selbstwertprobleme den Schulalltag bestimmen

Aktualisiert: vor 2 Tagen


➡️ Warum Kinder andere klein machen – oder selbst klein gemacht werden


➡️ Was hinter diesem Verhalten steckt und wie du dein Kind auch gegen Mobbing stärken kannst


Wenn du ein Kind im Alltag begleitest – als Mutter, Vater, Lehrkraft oder Bezugsperson – kennst du diese Situationen möglicherweise:


(D)ein Kind wirkt geknickt oder aggressiv, sagt, dass alles in Ordnung sei, und dennoch bleibt bei dir ein ungutes Gefühl der Hilflosigkeit zurück, weil du merkst, dass es eben nicht so ist.

Du beobachtest sein Verhalten weiter und fragst dich, was eigentlich dahintersteckt.

Was wir Erwachsenen wahrnehmen und an das Kind dann rückmelden, ist häufig eine direkte Reaktion und Interpretation auf das sichtbare Verhalten. Dabei sind vor allem zwei Verhaltensweisen besonders alarmierend für uns:

laute, impulsive Kinder ebenso wie sehr ruhige, in sich zurückgezogene.


Doch Verhaltensauffälligkeiten – andauernde Konflikte mit Gleichaltrigen, Wutausbrüche, Rückzug, Aufmüpfigkeit oder Traurigkeit – sind meist nur die Oberfläche eines weit in die tiefe gehenden Eisberges.



➡️ Hier beginnt oft unsere Verunsicherung:

Wir reagieren auf das, was wir sehen und übersehen dabei, was das Kind innerlich bewegt.


Darunter liegt häufig ein tieferes Thema, das selbst für Erwachsene schwer in Worte zu fassen ist: ein Selbstwert, der ins Wanken geraten ist.


Laut oder leise – zwei Ausdrucksformen desselben inneren Kampfes

In meiner Beratungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen begegnen mir diese beiden Muster immer wieder:


  • Kinder, die nach außen kämpfen und laut werden

  • und Kinder, die nach innen kämpfen und leise werden


Beide tragen ihre eigenen Herausforderungen – und beide brauchen Unterstützung.


Manche Kinder wirken nach außen stark:

Sie provozieren, werden laut, drängen andere zurück, überschreiten Grenzen. Dieses Verhalten wird rasch als „Stärke“, „Frechheit“, „Bosheit“ oder „Rebellion“ gedeutet.


Tatsächlich steckt dahinter oft Unsicherheit oder der Versuch, Kontrolle zu erleben, wo innerlich wenig Halt vorhanden ist.

Andere Kinder machen sich klein:

Sie ziehen sich zurück, werden still, verlieren Sicherheit, trauen sich weniger zu. Auch das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hinweis darauf, dass das Kind innerlich mehr Unterstützung und Stärkung braucht.


Ob laut oder leise – beide Formen sind Ausdruck desselben inneren Kampfes.

Der Unterschied liegt lediglich darin, wie sichtbar er wird.


Während manche Kinder andere klein machen, um sich selbst größer zu fühlen,

machen sich andere innerlich klein – still und oft unbemerkt.


Was darunter liegt: Selbstwerträuber erkennen

Viele dieser Dynamiken lassen sich auf sogenannte Selbstwerträuber zurückführen – ein Konzept aus der Prozess- und Embodimentfokussierten Psychologie (PEP® nach Dr. Michael Bohne).

Gemeint sind innere Muster, die Kinder – ebenso wie Erwachsene – daran hindern, ihren eigenen Wert stabil zu spüren.

Diese Muster wirken nicht bewusst.

Kinder entscheiden sich nicht dafür – sie reagieren damit auf Überforderung, Druck oder fehlende innere Sicherheit.


Zu den „Bad Five“ der Selbstwerträuber zählen:


  • ein starkes Bedürfnis, gut zu sein, verbunden mit hohem innerem Druck

  • der Wunsch, unbedingt gemocht zu werden, und die Abhängigkeit von äußerer Zustimmung

  • ein ungünstiger Umgang mit Fehlern

  • Altersregression, also das Zurückfallen in jüngeres Verhalten in belastenden Situationen

  • negative Selbstbeschreibungen und Selbstzweifel

Diese Selbstwerträuber beeinflussen das Verhalten – unabhängig davon, wann sie entstanden sind.

Warum ein systemischer Blick so wichtig ist

In meiner Arbeit mit Kindern betrachte ich nicht nur das einzelne Verhalten, sondern das gesamte System, in dem ein Kind lebt.


Vielleicht hast du selbst schon beobachtet, dass sich das Verhalten eines Kindes verändert – je nachdem, ob es sich in der Schule, zu Hause, mit bestimmten Freunden oder unter Leistungsdruck befindet.


Diese Kontexte sind zentrale Entwicklungsräume und müssen bei Selbstwertproblemen mitgedacht werden.

Das Verhalten eines Kindes zeigt oft sehr genau, wo es Unterstützung braucht, um innerlich stabiler und handlungsfähiger zu werden.

Manchmal reicht ein Gespräch.

Manchmal braucht es stärkende Strukturen.


Weitere Anregungen und vertiefende Impulse zum Thema Selbstwert bei Kindern findest du hier.


Aus meiner Sicht hat jedes Kind ein Recht darauf, sich aktiv mit seinem Selbstwert auseinanderzusetzen – nicht erst dann, wenn Probleme eskalieren.


Orientierung für Eltern

Wenn dein Kind unter Mobbing, wiederkehrenden Konflikten oder ungesundem Rückzug leidet, können folgende Gedanken eine erste Orientierung bieten:


  • Nimm dein Kind mit seinem „problematischen“ Verhalten ernst – auch dann, wenn es herausfordernd ist.

  • Erlaube dir, deinen eigenen Umgang mit diesen Situationen zu reflektieren – gegebenenfalls mit professioneller Unterstützung.

  • Biete deinem Kind Unterstützung an, auch von außen, und vermittle damit:

    Hilfe holen ist wichtig und stabilisierend.


Wenn wir nicht nur Verhalten verändern, sondern Selbstwert stärken wollen, braucht es sichere und strukturierte Wege.


Wenn du darüber hinaus eine klare, alltagstaugliche Orientierung suchst, wie Eltern und Lehrkräfte bei Mobbing wirksam unterstützen können, findest du dazu einen eigenen kompakten Erste-Hilfe-Artikel.


Wie ein Selbstwerttraining mit PEP® unterstützen kann

Im PEP®-Selbstwerttraining arbeiten wir behutsam, spielerisch und zugleich sehr strukturiert an Fragen wie:


  • Welche Selbstwerträuber aktuell wirksam sind

  • Was dem Kind Sicherheit nimmt

  • Was hilft, wieder in die eigene Kraft zu kommen

  • Wie Selbstwirksamkeit im Alltag erfahrbar wird (z. B. durch die PEP®-Klopftechnik)

  • Welche Selbstwertspender stärken und begleiten


Das Training findet in einem sicheren Rahmen statt – ohne Druck, im Tempo des Kindes.

Viele dieser Muster begleiten auch uns Erwachsene. Deshalb biete ich das Selbstwerttraining sowohl in einer kinder- als auch in einer erwachsenenfreundlichen Variante an.



Fazit

Wenn Kinder andere klein machen oder selbst klein werden, steckt dahinter fast nie Bosheit oder Schwäche, sondern ein inneres Rufen nach Halt.


Mit einem achtsamen Blick hinter das Verhalten und einer systemisch gedachten Stärkung des Selbstwerts können Kinder Schritt für Schritt lernen:


Ich bin wertvoll.

Ich habe Einfluss.

Ich bin nicht ausgeliefert.

Hier beginnt echte Veränderung – im Inneren und im Außen.

Vielleicht hast du dich beim Lesen an dein eigenes Kind erinnert – oder an dich selbst.

Wenn du magst, erzähle ich dir gerne mehr darüber, wie das Selbstwerttraining mit PEP® dein Kind oder dich unterstützen kann.



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